24. Oktober 2026
Zeitumstellung: Eine Stunde mehr Schlaf – und trotzdem müder
Heute Nacht bekommst du eine Stunde geschenkt. Am Montag um fünf bist du trotzdem müder als letzte Woche. Diese Müdigkeit sagt dir nicht, dass du leer bist. Sie sagt dir, wie spät es ist.

Das ist keine medizinische Einschätzung und keine Diagnose, sondern eine Beobachtung. Wenn dich Müdigkeit länger begleitet, sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Heute Nacht werden die Uhren zurückgestellt. Morgen früh wirst du eine Stunde länger geschlafen haben, und das klingt nach einem guten Tausch.
Am Montag denkst du schon nicht mehr daran. Um fünf am Nachmittag wird es draußen dunkel, du sitzt noch am Schreibtisch oder stehst in der Küche, und auf einmal bist du müde, als wäre es zehn Uhr abends. Du denkst nicht: Das ist die Zeitumstellung. Du denkst: Ich bin müde.
Mehr Schlaf, mehr Müdigkeit. Das geht eigentlich nicht auf.
Ein Experiment, das einmal im Jahr stattfindet
Normalerweise bewegen sich Schlaf und Müdigkeit gemeinsam. Wer wenig schläft, ist müde, wer mehr schläft, weniger. Deshalb lässt sich im Alltag kaum auseinanderhalten, wovon eine Müdigkeit eigentlich kommt.
Die Zeitumstellung im Herbst trennt die beiden für ein paar Tage. Der Schlaf geht hoch, die Müdigkeit trotzdem auch. Das ist so etwas wie ein natürliches Experiment, und sein Ergebnis ist ziemlich eindeutig: Was du am Montag um fünf spürst, kommt nicht vom Schlaf. Davon hattest du mehr.
Eine Müdigkeit, die nicht leer ist
Ich habe hier im Sommer zwischen Müdigkeit und Erschöpfung unterschieden: Das eine ist ein leerer Tank, der sich wieder füllt, das andere eine Bilanz, die über Wochen nicht aufgeht.
Es gibt noch eine dritte Sorte, und sie hat mit beiden nichts zu tun. Sie ist kein Mangel. Sie ist eine Orientierung.
Sie sagt dir nicht, dass dir Kraft fehlt. Sie sagt dir, dass es Abend ist – oder genauer: dass es draußen danach aussieht. Der Tag ist an seinem äußeren Ende angekommen, nur dein Kalender ist es noch nicht. Der hat noch Abendessen, Hausaufgaben und vielleicht einen Elternabend vor sich.
Was das Signal sagt und was nicht
Das Signal sagt: Es ist dunkel geworden, früher als gewohnt.
Es sagt nicht: Du hast zu wenig geschlafen. Es sagt auch nicht: Du bist erschöpft, oder du hältst weniger aus als früher.
Dieser Unterschied ist nicht akademisch. Wer die Müdigkeit am Montag als Mangel liest, sucht nach der passenden Antwort auf einen Mangel. Früher ins Bett, etwas absagen, sich schonen – und stellt dann fest, dass nichts davon wirkt. Es wirkt nicht, weil nichts leer war.
Woran du sie erkennst
An ihrem Verlauf, zumindest bei mir.
Diese Müdigkeit kommt mit der Dunkelheit, ziemlich genau in dem Moment, in dem man draußen nichts mehr erkennt. Und sie lässt nach, sobald der Abend eine Form hat: Licht an, Essen auf dem Herd, die erste Stunde vorbei. Eine Müdigkeit, die aus einem leeren Tank kommt, verhält sich anders. Die bleibt.
Nach ein paar Tagen ist der Effekt ohnehin vorbei, weil sich alles an die neue Uhrzeit gewöhnt hat. Genau deshalb lohnt es sich, ihn in dieser Woche zu beobachten. Es ist die einzige Woche im Jahr, in der man ihn sauber sehen kann.
Dein Schritt für diese Woche: Schau am Montag oder Dienstag um fünf auf die Uhr, wenn die Müdigkeit kommt. Und dann noch einmal eine Stunde später. Ist sie noch da, oder war sie nur ein Signal für die Uhrzeit?
Bald in dieser Serie: Es geht weiter mit den Augen – und mit der Frage, was sie dir am Ende eines Tages melden.
Mehr davon im BlogWoman Brief.


