25. Oktober 2026
Was ich bereut habe – und was nicht
Ich wollte eine ehrliche Liste schreiben: was ich bereut habe und was nicht. Sie ist in zwei Spalten zerfallen, die nichts miteinander zu tun hatten. Die Forschung hat eine Erklärung dafür – und sie verändert, wo sich Zögern lohnt.

Das ist keine Finanzberatung, sondern meine persönliche Erfahrung. Dies ist kein bezahlter Beitrag; es werden keine Marken empfohlen.
Ich hatte hier eine ehrliche Liste angekündigt: die Dinge, die ich bereut habe, und die, die ich nicht bereut habe.
Als ich angefangen habe, sie aufzuschreiben, hat sie sich von selbst sortiert. Nicht in „bereut" und „nicht bereut", sondern in zwei Sorten von Bedauern, die sich überhaupt nicht ähneln.
In der ersten Spalte stand, was ich gekauft habe und lieber nicht gekauft hätte. In der zweiten stand, was ich nicht gemacht habe und gern gemacht hätte.
Die erste Spalte bestand fast nur aus Gegenständen. Die zweite fast nur aus Erlebnissen.
Zwei Richtungen von Bedauern
Ich dachte zuerst, das sei Zufall. Ist es nicht.
Die Psychologen Emily Rosenzweig und Thomas Gilovich haben genau das untersucht und 2012 veröffentlicht. Ihr Befund, in mehreren Studien: Bei materiellen Käufen bereuen Menschen eher, dass sie gekauft haben – die klassische Reue nach dem Kauf. Bei Erlebnissen bereuen sie eher, dass sie es nicht getan haben – die verpasste Gelegenheit.
Das liegt nicht daran, dass Erlebnisse begehrter wären oder zufriedener machten. Die Erklärung der Forscher ist eine andere, und sie hat mich lange beschäftigt: Erlebnisse empfinden wir als einmalig. Gegenstände als austauschbar.
Gibt es das noch einmal?
Das ist der Kern, und er ist ziemlich praktisch.
Ein Gegenstand, der enttäuscht, lässt sich ersetzen. Ein Gegenstand, den ich nicht kaufe, ist nächste Woche auch noch da, oder ein ähnlicher. Wer bei Dingen zögert, verliert selten etwas, das nicht wiederkommt.
Ein Erlebnis kommt nicht wieder. Das Konzert findet an einem Abend statt. Das Wochenende mit einer Freundin, solange sie noch in der Nähe wohnt, gibt es nur in diesen Jahren. Wer hier zögert, zögert nicht vor einer Ausgabe, sondern vor einer Gelegenheit – und die ist danach weg.
Unser Sparreflex macht diesen Unterschied nicht. Er zögert bei einem Küchengerät genauso wie bei einer Reise, mit derselben Frage im Hinterkopf: Brauchst du das wirklich? Bei Dingen ist das eine gute Frage. Bei Einmaligem ist sie oft die teurere.
Deshalb stelle ich inzwischen zuerst eine andere: Gibt es das noch einmal?
Wenn ja, darf ich mir Zeit lassen. Wenn nein, ist Zögern nicht die vorsichtige Wahl, sondern meistens die, die ich später bereue.
Meine Liste, ehrlich
In der ersten Spalte steht ein Küchengerät, das seit seinem dritten Einsatz im Schrank wohnt. Ich weiß nicht mehr, was es gekostet hat. Ich weiß nur, dass ich es bei jedem Öffnen dieses Schranks sehe. Das ist die typische Reue über einen Gegenstand: Sie ist ärgerlich, aber sie ist klein, und sie hat einen Ort.
In der zweiten Spalte steht ein Wochenende, das ich abgesagt habe. Eine alte Freundin hatte vorgeschlagen, zusammen wegzufahren, zwei Tage, nichts Besonderes. Es kam mir in dem Moment übertrieben vor, zeitlich und finanziell. Ein Jahr später ist sie weggezogen. Die Reue darüber hat keinen Ort, sie taucht einfach auf, und sie ist größer als der Betrag, den ich damals gespart habe.
Und dann gibt es die Spalte, die ich eigentlich schreiben wollte: was ich nicht bereut habe. Bei mir sind das fast ausschließlich Dinge, bei denen ich gezögert und es trotzdem gemacht habe – ein Abend, der zu teuer schien, eine Reise, die nicht ins Jahr passte. Sie haben alle eines gemeinsam: Es gab sie nur einmal.
Was ich daraus mitnehme
Vorsicht ist keine Eigenschaft, die überall gleich viel wert ist. Bei Austauschbarem schützt sie. Bei Einmaligem kostet sie.
In fünf Tagen schaue ich mir hier mein Genuss-Budget nach einem Quartal an. Und diesmal frage ich nicht nur, was ich ausgegeben habe – sondern auch, was davon es kein zweites Mal gegeben hätte.
Quelle: Rosenzweig E., Gilovich T.: Buyer's remorse or missed opportunity? Differential regrets for material and experiential purchases. Journal of Personality and Social Psychology, 102(2), 2012, S. 215-223.
Bald in dieser Serie: Es geht weiter mit dem Genuss-Budget im Praxis-Check – ein ehrlicher Blick auf das erste Quartal.
Mehr davon im BlogWoman Brief.


