13. Oktober 2026
Schlaf in der Übergangszeit: das Fenster hat sich verschoben
Im Herbst verändert sich nicht, wie viel Schlaf du brauchst. Es verändert sich, wann er möglich wäre. Der Kalender verschiebt sich aber nicht mit – und das erklärt, warum du um neun müde bist und um elf wieder hellwach.

Das ist keine medizinische Beratung, sondern mein eigener Umgang mit Energie im Alltag. Wenn dein Schlaf dich länger beschäftigt, lass das bitte ärztlich abklären.
Es gibt im Oktober diesen Abend, an dem du um halb zehn auf dem Sofa sitzt und denkst: Ich könnte jetzt eigentlich ins Bett.
Du gehst nicht. Es ist halb zehn, das ist keine Uhrzeit. Du machst noch eine Maschine an, beantwortest zwei Nachrichten, räumst die Küche fertig.
Und um elf, als du tatsächlich ins Bett gehst, bist du wach. Nicht aufgedreht – einfach wach. Der Zug ist weg.
Es ist nicht weniger Schlaf, es ist ein anderes Fenster
Wir reden über Herbstmüdigkeit meistens so, als ginge es um die Menge: mehr Schlaf brauchen, früher erschöpft sein, morgens schwerer hochkommen.
Was sich in meiner Erfahrung tatsächlich ändert, ist etwas anderes. Es ist die Lage. Abends rutscht der Moment, in dem es leicht ginge, nach vorn – und morgens rutscht das Licht nach hinten. Das Fenster, in dem Schlaf ohne Anstrengung funktioniert, wandert.
Nur wandert nichts anderes mit. Der Wecker bleibt, wo er war. Der Abend fängt an, wann er anfängt, weil davor Hausaufgaben, Essen und Küche liegen. Und so bleibt zwischen dem Moment, in dem du könntest, und dem Moment, in dem du darfst, eine Lücke von anderthalb Stunden.
Diese Lücke ist das eigentliche Thema. Nicht die Müdigkeit.
Warum der verpasste Moment so teuer ist
Weil er nicht wiederkommt.
Wer ihn einmal übergeht, kennt das Ergebnis: Danach ist man wieder da. Man liegt um Viertel nach elf im Bett und ist hellwach, obwohl man neunzig Minuten vorher kaum die Augen aufhalten konnte. Das fühlt sich an wie eigene Schuld, als hätte man sich das selbst eingebrockt, und in gewisser Weise stimmt das sogar – nur nicht so, wie man denkt. Man hat nicht zu spät schlafen wollen. Man hat zu früh weitergemacht.
Eine Sache noch, die den Oktober besonders unübersichtlich macht: In der Lebensmitte verschiebt sich der Schlaf auch unabhängig von der Jahreszeit, aus Gründen, die mit dem Herbst nichts zu tun haben. Darüber habe ich letzte Woche geschrieben. Es kann also gut sein, dass sich gerade zwei Dinge überlagern – und dass es deshalb schwerer zu greifen ist als sonst.
Was realistisch geht
Nicht: ab jetzt jeden Abend um halb zehn ins Bett. Das hält keine Woche, und spätestens am dritten Abend, an dem es nicht klappt, ist es wieder ein Vorhaben, an dem man scheitert.
Was geht, ist kleiner.
Merk dir den Moment, statt ihn wegzuschieben. Du musst nicht sofort gehen. Es reicht schon, zu bemerken: Da war er. Wer weiß, dass es ein Fenster gibt, geht anders damit um als jemand, der nur findet, dass er abends komisch müde wird.
Nimm dir zwei Abende in der Woche vor, nicht sieben. An zwei Abenden lässt sich der Rest wirklich liegen lassen. An den anderen fünf bleibt alles, wie es ist, und das ist ausdrücklich in Ordnung.
Und sorg dafür, dass der Abend überhaupt endet. Hier hängt es zusammen: Solange der Familienabend nicht abgeschlossen ist, bemerkst du das Fenster gar nicht – du bist dann noch im Betrieb, und im Betrieb merkt man Müdigkeit nicht, man schiebt sie nur weg. Der Schlussstrich kommt vor dem Fenster, nicht danach.
Was das nicht kann
Es repariert keinen schlechten Schlaf. Wenn du nachts wach liegst, hilft dir ein früheres Fenster wenig, und dafür ist das hier auch nicht gedacht.
Was es kann, ist bescheidener: Es nimmt dir das Gefühl, dass du etwas falsch machst. Du kämpfst nicht gegen deinen Schlaf. Du kämpfst gegen eine Uhrzeit, die im August gepasst hat.
Bald in dieser Serie: Es geht weiter mit der Erholung in den Ferien – und damit, wie sie funktionieren soll, wenn den ganzen Tag alle zu Hause sind.
Mehr solcher Überlegungen teile ich im BlogWoman Brief.


