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30. Oktober 2026

Das Genuss-Budget im Praxis-Check

Drei Monate Genuss-Budget, sauber aufgeteilt. Der laufende Teil ist aufgegangen. Das angesparte Geld lag am Ende unangetastet da – und genau das war der Fehler. Ein ehrlicher Blick auf das erste Quartal.

Notepad with pen. Writing a letter in a notebook.

Das ist keine Finanzberatung, sondern meine persönliche Erfahrung. Dies ist kein bezahlter Beitrag; es werden keine Marken empfohlen.

Ende Juli habe ich hier das Genuss-Budget vorgestellt: ein fester Anteil vom Netto, nur für Dinge, die Freude machen. Gerechnet habe ich damals mit einem Beispiel. 3.000 Euro netto, davon 5 Prozent, also 150 Euro im Monat. 90 Euro davon für das Laufende, 60 Euro zum Ansparen für etwas Größeres.

Seitdem sind drei Monate vergangen, und ich hatte einen ehrlichen Abgleich versprochen. Ich rechne dafür mit dem Beispiel aus dem Juli weiter. Mein eigenes Budget ist anders bemessen, aber die Logik ist dieselbe, und so lässt sich jede Zahl nachvollziehen.

Die Rechnung

Drei Monate, 450 Euro. Davon 270 Euro für das Laufende und 180 Euro auf der Seite.

Der laufende Teil ist aufgegangen, ziemlich genau sogar. Überzogen habe ich in keinem Monat, in einem bin ich knapp darunter geblieben.

Der angesparte Teil ist auch aufgegangen, nur in einem anderen Sinn: Er ist vollständig da. 180 Euro, nicht angerührt.

Auf dem Papier ist das ein Quartal ohne Beanstandung. Ganz so einfach ist es nicht.

Was das Budget geleistet hat

Zuerst das, was funktioniert hat. Es ist zugleich das Wichtigste.

Ich habe in drei Monaten kein einziges Mal mit mir verhandelt, ob ich mir etwas gönnen darf. Die Frage war vorher beantwortet: Wenn im laufenden Teil noch etwas übrig war, durfte ich. Wenn nicht, dann im nächsten Monat. Die nörgelnde Stimme im Kopf hatte nichts mehr zu tun.

Das war der eigentliche Grund für das Budget. Allein dafür hat es sich gelohnt.

Wohin die 270 Euro gegangen sind

Dann habe ich die Ausgaben des laufenden Teils durchgesehen, mit der Frage aus dem Artikel vor fünf Tagen: Was davon hätte es kein zweites Mal gegeben?

Die ehrliche Antwort lautet: fast nichts. Blumen für den Schreibtisch, eine Zeitschrift, der bessere Kaffee an den Tagen, an denen ich ihn gebraucht habe, eine Handcreme, die ich mir sonst nicht gekauft hätte. Alles schön, nichts davon falsch. Aber alles davon gibt es nächste Woche wieder.

Mit einer Ausnahme. Ein Abendessen mit einer ehemaligen Kollegin, die für einen einzigen Abend in der Stadt war. Das war die Ausgabe des Quartals. Wenn ich nur eine behalten dürfte, wäre es diese.

Der laufende Teil hat also getan, wofür er da ist: kleine Freude im Alltag, ohne Diskussion. Er ist nur fast vollständig ins Wiederholbare geflossen. Das liegt in seiner Natur. Laufendes ist das, was regelmäßig wiederkommt.

Das Problem mit den 180 Euro

Spannender ist der andere Teil.

Die 60 Euro im Monat waren für etwas Größeres gedacht, für etwas, das nicht in einen einzelnen Monat passt. Im Juli hatte ich vorgerechnet, dass nach vier Monaten 240 Euro zusammenkommen. Nach drei Monaten sind es 180, so weit stimmt die Rechnung.

Was nicht stimmt: Ich hatte nichts vor. Ich habe das Geld angespart, ohne ein Ziel, und je mehr es wurde, desto weniger wollte ich es ausgeben. Angespartes Geld bekommt mit der Zeit etwas Feierliches. Es soll für etwas Besonderes sein, und nichts ist besonders genug.

Den Reflex kenne ich. Vor fünf Tagen habe ich hier von dem abgesagten Wochenende erzählt, das ich bis heute bereue. Unangetastetes Geld in einem Genuss-Topf ist derselbe Reflex, nur mit Kontoauszug. Bei Gegenständen ist Zögern harmlos. Bei dem, wofür dieser Topf gedacht war, ist es teuer.

Was ich im nächsten Quartal ändere

Zwei Dinge.

Erstens bekommt der angesparte Teil ein Ziel, bevor er sich wieder anfüllt. Im November kommen die nächsten 60 Euro dazu, dann sind es genau die 240 Euro aus dem Juli. Die sind ab heute verplant, für etwas, das es nur einmal gibt. Was genau, entscheide ich diese Woche. Und der Termin steht im Kalender, bevor das Geld wieder feierlich wird.

Zweitens verschiebe ich die Aufteilung. Die 150 Euro bleiben, aber ab Dezember gehen 60 Euro ins Laufende und 90 Euro auf die Seite. Das Laufende war schön, aber ehrlich gesagt hätte ich die Hälfte davon nicht vermisst. Das Einmalige dagegen braucht größere Beträge, und es braucht sie öfter, als ich gedacht habe.

Was ich daraus mitnehme

Ein Budget kann auf zwei Arten scheitern. Es kann zu klein sein. Oder es wird zu wenig davon ausgegeben. Das Erste merkt man sofort. Das Zweite fast nie, weil es sich wie Vernunft anfühlt.

Mein erstes Quartal hatte das zweite Problem. Ein Genuss-Budget, das unangetastet bleibt, hat sein Ziel nicht übererfüllt. Es hat es verfehlt.

Bald in dieser Serie: Es geht weiter mit der Jahreskarte – für Museum, Theater oder Schwimmbad – und der Frage, ab wann sie sich rechnet.

Wenn du nach drei Monaten selbst Bilanz ziehen willst: Ich habe den Abgleich auf eine Seite gebracht. Was geplant war, was ausgegeben wurde, was davon es kein zweites Mal gegeben hätte – und wie du für das nächste Quartal neu aufteilst. Den Bogen bekommst du im BlogWoman Brief: „Genuss-Budget: Quartals-Review-Bogen".

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