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5. Oktober 2026

Geschenke an mich selbst: warum sie schwerer fallen als Geschenke an…

Für eine Freundin suche ich eine Stunde lang das Richtige und lege ohne Zögern drauf. Für mich selbst stehe ich vor etwas Günstigerem und gehe wieder. Warum dieselbe Summe sich so unterschiedlich anfühlt – und was auf der eigenen Rechnung fehlt.

Ein schlicht verpacktes Geschenk auf einem hellen Tisch, z.B. Küchentisch. Direkt daneben liegt ein einzelnes Ladekabel für das Handy warme Farben

Das ist keine Finanzberatung, sondern meine persönliche Erfahrung. Dies ist kein bezahlter Beitrag; es werden keine Marken empfohlen.

Letzten Monat habe ich für eine Freundin ein Geschenk gesucht. Ich habe dafür ungefähr eine Stunde gebraucht, zwei Dinge wieder verworfen und am Ende etwas genommen, das über dem lag, was ich mir vorgenommen hatte. Ich habe keine Sekunde gezögert und mich gefreut, als ich es eingepackt habe.

Drei Wochen vorher hatte ich im Laden einen zweiten Satz Ladekabel in der Hand – einen, der dauerhaft in meiner Arbeitstasche bleiben sollte, damit ich nicht jedes Mal den einen Satz zwischen Schreibtisch, Auto und Tasche hin und her räume. Ich habe ihn wieder hingelegt. Er war günstiger als das Geschenk.

Das ist keine Geschichte über Großzügigkeit. Es sind zwei völlig verschiedene Rechnungen, die wir aufmachen, je nachdem, wer am Ende etwas davon hat.

Was auf der Rechnung für andere steht

Wenn ich für jemanden etwas suche, besteht der Gegenwert nicht aus dem Gegenstand. Er besteht aus einem Moment: dem Gesicht beim Auspacken, dem Satz danach, dem Gefühl, jemanden richtig verstanden zu haben.

Dieser Gegenwert ist sofort da, er ist sichtbar, und er fällt vollständig an einem einzigen Tag an. Ich weiß genau, wofür ich zahle, und ich weiß, wann ich es bekomme. Deshalb fällt mir dieser Kauf leicht – nicht weil mir die Person wichtiger wäre als ich selbst, sondern weil die Rechnung sauber aufgeht.

Was auf meiner eigenen Rechnung fehlt

Bei den Ladekabeln gibt es diesen Moment nicht. Es gibt überhaupt keinen Moment.

Der Gegenwert liegt verteilt über Monate, ein kleines bisschen an jedem einzelnen Tag, in Form von „nicht gesucht", „nicht vergessen", „nicht nachgefragt". Über ein Jahr gerechnet ist das offensichtlich das bessere Geschäft. Aber es gibt keinen Augenblick, in dem es sich einlöst, keine Szene, an die ich mich erinnere, nichts zum Auspacken.

Und weil dieser Moment fehlt, steht der Preis allein da. Ohne Gegengewicht. Genau dann meldet sich die Stimme, die wir aus dieser Serie alle kennen: Brauchst du das wirklich?

Bei einem Geschenk für jemand anderen stellt diese Stimme die Frage nie. Das ist der ganze Mechanismus, und er ist ziemlich unfair.

Der Teil, den man ungern ausspricht

Es kommt noch etwas dazu.

Bei einem Geschenk kaufe ich nicht nur den Gegenstand. Ich kaufe auch eine Rolle: jemand sein, der schenkt. Die Rolle ist angenehm, sie gehört zum Gegenwert dazu, und sie ist ein Teil des Grundes, warum ich bereitwillig drauflege.

Beim Kauf für mich selbst gibt es diese Rolle nicht. Ich bin niemand, der schenkt. Ich bin jemand, der etwas braucht. Und „brauchen" ist ein deutlich unbequemeres Wort als „schenken" – es klingt nach Mangel, nach Rechtfertigung, nach einer Erlaubnis, die man sich holen muss.

An der Stelle hört das Ganze auf, eine Geldfrage zu sein.

Was ich daraus mitnehme

Die Ladekabel habe ich inzwischen. Sie liegen in der Tasche, ich denke nicht mehr darüber nach, und ich könnte nicht sagen, was sie gekostet haben. So ist das mit guten Entscheidungen – sie werden unsichtbar, sobald sie funktionieren. Genau deshalb sind sie so schwer zu treffen.

Was mich an der Sache länger beschäftigt hat, ist nicht die Ausgabe. Es ist die Reihenfolge der Fragen.

Bei einer Freundin frage ich zuerst: Ist das das Richtige für sie? Bei mir selbst frage ich zuerst: Darf ich das überhaupt haben? Und erst danach, ob es gut ist.

Die zweite Frage ist die, die die Rechnung verzerrt. Nicht der Preis.

Bald in dieser Serie: Anschaffungen, die wir immer wieder aufschieben – und was dieses Aufschieben selbst kostet.

Solche Überlegungen – ohne Guilt und ohne erfundene Zahlen – teile ich auch im BlogWoman Brief.

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