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7. September 2026

Allein, aber nicht einsam: Zeit mit mir selbst

Ganz allein zu sein ist mir fast fremd geworden – und wenn es passiert, will ich die Stille sofort füllen. Dabei ist Alleinsein nicht dasselbe wie Einsamkeit. Warum Zeit mit mir selbst kein Rückzug aus der Verbindung ist, sondern ein Weg zurück zu mir – und wie ich ihr wieder einen Platz gebe.

Caroline Fotostudio DUS Barhocker Lichtkegel

Das sind meine persönlichen Erfahrungen und keine therapeutische oder psychologische Beratung. Wenn Einsamkeit dich über längere Zeit belastet, ist das ernst zu nehmen – dann ist es klug, mit einem vertrauten Menschen oder einer Fachperson darüber zu sprechen.

Die Stille, die ich sofort füllen wollte

Neulich war ich für ein paar Stunden ganz allein. Kein Termin, keine Kinder im Haus, niemand, der etwas von mir wollte. Und mein erster Impuls war, diese Stille sofort zu füllen. Das Handy in die Hand. Irgendetwas erledigen. Eine Serie nebenbei. Alles, nur nicht einfach mit mir selbst im Raum sitzen.

Erst als ich das bemerkt habe, wurde mir klar, wie fremd mir das geworden war: mit mir allein zu sein, ohne es sofort überbrücken zu wollen. Irgendwann auf dem Weg durch volle Jahre hatte ich verlernt, meine eigene Gesellschaft auszuhalten – und mehr noch, sie zu genießen.

Allein ist nicht dasselbe wie einsam

Lange habe ich diese beiden Dinge verwechselt, und ich glaube, ich bin damit nicht allein. Alleinsein ist ein Zustand: Es ist niemand da. Einsamkeit ist ein Gefühl: Ich fühle mich nicht verbunden. Das Entscheidende ist, dass das eine nicht zwingend zum anderen führt. Du kannst dich mitten unter Menschen einsam fühlen – und du kannst ganz allein sein und dich dabei erfüllt und ruhig fühlen.

Weil ich die beiden gleichgesetzt habe, habe ich jede Form von Alleinsein behandelt wie etwas, das man möglichst schnell beenden sollte. Dabei war das, was mir fehlte, nie die Abwesenheit von Menschen. Es war die Anwesenheit von mir selbst.

Warum die Zeit mit mir zuerst verschwindet

In einem vollen Leben ist die Zeit mit sich selbst das Erste, was verschwindet. Sie hat keine Lobby. Für die Arbeit gibt es Termine, für die Familie gibt es Bedürfnisse, die laut genug sind, um gehört zu werden. Aber niemand fordert in meinem Namen, dass ich Zeit für mich brauche. Und wenn sie doch einmal da ist, kommt sofort das schlechte Gewissen: Sollte ich diese Stunde nicht sinnvoller nutzen? Für jemanden? Für irgendetwas?

Genau dieses Gefühl ist der Grund, warum die Zeit mit mir selbst so leicht verloren geht. Sie fühlt sich an wie ein Luxus, den man sich erst verdienen muss. Dabei ist sie kein Luxus. Sie ist die Stelle, an der ich wieder zu der werde, die ich bin – und nicht nur die, die für alle funktioniert.

Kein Rückzug, sondern ein Weg zurück

Das ist der Gedanke, der für mich alles verändert hat: Zeit mit mir selbst ist kein Rückzug aus der Verbindung zu den Menschen, die ich liebe. Sie ist die Voraussetzung dafür, ihnen wirklich begegnen zu können. Wenn ich ständig nur reagiere, funktioniere und für andere da bin, ohne je bei mir selbst anzukommen, komme ich irgendwann leer bei ihnen an. Die Zeit mit mir füllt genau den Ort wieder auf, aus dem heraus ich für andere da sein kann.

Insofern ist das Alleinsein nicht das Gegenteil von Nähe. Es ist ein Teil davon. Wer bei sich selbst zu Hause ist, bringt einen anderen Menschen in eine Beziehung mit als jemand, der sich selbst nur noch vom Hörensagen kennt.

Wie ich ihr wieder einen Platz gebe

Und wie so oft bei den Sachen, die mir wichtig sind, überlebt auch diese nicht von den Resten des Tages. Sie braucht einen Platz. Bei mir ist das kein großer Rückzug und keine Auszeit, für die ich verreisen müsste. Es sind kleine, geschützte Fenster, die niemandem gehören außer mir – ein paar stille Minuten, die ich mir nicht mehr verdiene, sondern einfach nehme.

Das mag zunächst unbequem sein. Ohne Aufgabe, ohne Ablenkung, ohne ein Ziel wusste ich zuerst nicht, wohin mit mir. Aber genau diese Unbeholfenheit war der Hinweis, wie sehr ich meine eigene Gesellschaft an alles Mögliche ausgelagert hatte. Es wird leichter. Man gewöhnt sich wieder an sich selbst – und irgendwann ist die Stille kein Loch mehr, das man füllen muss, sondern ein Raum, in dem man aufatmet.

Was ich mitnehme

Alleinsein muss sich nicht nach Mangel anfühlen. Es kann ein Nachhausekommen sein – zu der einen Person, mit der ich ohnehin mein ganzes Leben verbringe. Ich muss diese Zeit nicht rechtfertigen und nicht verdienen. Ich darf sie einfach haben.

Und wenn du dich hier wiedererkennst: Fang klein an. Ein paar Minuten, in denen du die Stille nicht sofort füllst. Es fühlt sich vielleicht zuerst komisch an. Und dann, nach einer Weile, fühlt es sich an wie du selbst.

Mehr Gedanken dieser Art gibt es im BlogWoman Brief.

Nächste Woche in dieser Serie: Das kleine Ritual, das uns durch schwere Wochen trägt. Warum es in anstrengenden Zeiten nicht die großen Gesten sind, die Halt geben, sondern die kleinen, verlässlichen.

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