3. August 2026
Wieder zu Hause im eigenen Körper – und kleine Wege dorthin
Jahrelang habe ich in meinem Körper gewohnt wie in einem Büro: morgens aufschließen, funktionieren, abends abschließen. Wie ich angefangen habe, wieder wirklich einzuziehen

Das sind meine persönlichen Erfahrungen – keine Paar- oder Sexualtherapie. Bei echten Krisen: professionelle Beratung.
Ich erzähle dir das, weil ich es lange niemandem erzählt habe.
Es gab eine Zeit, da war mein Körper für mich vor allem ein Fortbewegungsmittel. Etwas, das mich morgens ins Büro trug, das Kinder auf den Arm nahm, das im Meeting gerade saß und abends müde umfiel. Ich habe ihn benutzt, nicht wirklich darin gelebt. Wenn ich in den Spiegel schaute, prüfte ich – sitzt das Jackett, ist der Ansatz okay, wirke ich präsent. Ich sah mich an, wie man einen Lebenslauf gegenliest. Nie wie eine Frau, die einer anderen Frau begegnet, die sie mag.
Der Moment, in dem sich das verschob, war unspektakulär. Keine Erkenntnis, kein großer Vorsatz. Ich stand unter der Dusche, es war ein Mittwoch, und zum ersten Mal seit Langem habe ich das warme Wasser tatsächlich gespürt – nicht als Programmpunkt zwischen Wecker und erstem Termin, sondern als etwas Angenehmes, das gerade jetzt passiert. Zehn Sekunden vielleicht. Aber ich war zum ersten Mal seit Wochen ganz in meinem Körper, statt schon drei Termine voraus.
Was „zu Hause sein" für mich heißt
Ich habe lange gedacht, den eigenen Körper wieder zu mögen, sei ein Projekt. Etwas, das man angeht, mit einem Plan und einem Ziel und einem Vorher-Nachher. Das ist der Denkfehler. Es ist kein Projekt. Es ist eine Rückkehr.
Zu Hause sein heißt nicht, dass der Spiegel dir zustimmt. Es heißt, dass du aufhörst, dich von außen zu begutachten, als wärst du eine Bewerberin für deinen eigenen Körper. Es heißt, von innen da zu sein. Das ist ein leiser Unterschied, und er verändert alles. Denn die kritische Perspektive – dieser prüfende Blick, den wir Frauen so gut gelernt haben – steht immer draußen. Sie kann gar nicht zu Hause sein. Sie klingelt nur und bewertet.
Und das Schöne: Dieser Weg zurück hat nichts mit Fitness-Druck zu tun, nichts mit Optimierung. Mein Körper hat zwei Kinder getragen und mir schon lange Jahre gute "Dienste" getan. Er schuldet mir keine andere Form. Ich schulde ihm eher eine Entschuldigung dafür, wie lange ich ihn nur als Werkzeug behandelt habe.
Die kleinen Wege, die bei mir funktioniert haben
Ich misstraue großen Ritualen, das ist vermutlich nichts Neues mehr für dich. Also waren es kleine Türen, durch die ich zurückgefunden habe – und keine davon kostet Zeit, die ich nicht habe.
Die Dusche ist geblieben. Diese paar Sekunden, in denen ich das Wasser wirklich spüre, statt schon den Tag zu planen. Dann die Creme danach – früher ein Pflichtpunkt, abgehakt im Vorbeigehen. Heute nehme ich mir dafür eine halbe Minute mehr und behandle meine Haut nicht wie eine Aufgabe, sondern wie jemanden, der lang genug übersehen wurde. Es klingt banal. Ist ist aber nicht.
Dann die Sache mit den Stoffen. Ich habe angefangen, darauf zu achten, was sich auf der Haut gut anfühlt – ein Pullover aus weicher Wolle, Seide, die kühl und dann warm wird. Nicht, weil es jemand sieht. Weil ich es spüre, den ganzen Tag. Sinnlichkeit fängt nicht abends an und nicht bei jemand anderem. Sie fängt bei der Frage an, ob sich mein eigener Tag für mich gut anfühlt, ganz wörtlich, auf der Haut.
Und der letzte, der mir am schwersten fiel: der freundliche Blick. Wenn ich mich im Spiegel sehe, versuche ich, eine Sekunde lang nicht zu prüfen, sondern nur zu grüßen. Wie man seiner allerliebsten Freundin warm und wohlwollend zulächelt. An manchen Tage gelingt das nicht. An den anderen habe ich das Gefühl, langsam wieder einzuziehen.
Warum ich dir das erzähle
Weil ich glaube, dass viele von uns in diesem Büro-Modus leben, ohne es zu merken. Wir funktionieren so gut, dass wir gar nicht bemerken, wann wir aus dem eigenen Körper ausgezogen sind. Sich wieder als Frau zu fühlen – nicht für den Kalender, nicht für den Partner, sondern für sich – ist kein Luxus, den man sich verdienen muss. Es ist ein Zuhause, das die ganze Zeit da war. Man muss nur zurückgehen.
Fang klein an. Zehn Sekunden warmes Wasser. Eine halbe Minute Creme. Ein Pullover, der sich gut anfühlt. Das reicht als Anfang. Der Rest kommt, wenn du erst mal wieder eingezogen bist.
Mehr solcher ehrlichen Notizen findest du im BlogWoman Brief.
Nächste Woche in dieser Serie: Sinnlichkeit beginnt morgens – nicht abends.


