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20. September 2026

Erlebnis oder Ding? Warum Erinnerungen einen anderen ROI haben

Ein Ding hat man, ein Erlebnis ist vorbei – und deshalb fühlt sich der Kauf eines Dings oft vernünftiger an. Warum die P&L-Rechnung trotzdem anders läuft: Der Wert eines Dings verklingt zu Hause, der eines Erlebnisses wächst in der Erinnerung. Und wann das Ding trotzdem gewinnt.

A young woman with a backpack enjoys the sunset on a mountain hiking trail. Concepts of adventure, hiking, and travel. Active lifestyle.

Hinweis: Das ist keine Finanz- oder Anlageberatung, sondern meine persönliche Entscheidungslogik. Dieser Beitrag ist kein bezahlter Beitrag.

„Wenigstens habe ich dann etwas"

Es gibt diese Weggabelung, an der wir alle immer wieder stehen: Gib ich das Geld für ein Ding aus, das ich dann besitze – oder für ein Erlebnis, das vorbei ist, sobald es vorbei ist? Und wenn die Stimme sich meldet, klingt sie fast immer gleich: Nimm das Ding. Da hast du wenigstens etwas davon. Das Erlebnis ist so schnell vorbei.

Diese Stimme klingt vernünftig. Aber sie rechnet falsch. Denn sie schaut nur auf den Moment des Kaufens und übersieht, was danach passiert – und danach läuft die Rechnung oft ganz anders, als man denkt.

Wie sich der Wert über die Zeit verändert

Bei einem Ding ist das Gefühl am Anfang am größten. Der Moment im Laden, das Auspacken, die ersten Tage. Danach rückt es in den Hintergrund. Du gewöhnst dich daran, es wird Teil der Kulisse, irgendwann nimmst du es kaum noch bewusst wahr. Der Wert war vorne am höchsten und sinkt leise ab.

Bei einem Erlebnis ist es fast umgekehrt. Im Moment selbst ist es manchmal sogar anstrengend – die Anreise, das Wetter, die Organisation. Aber danach fängt etwas an zu arbeiten: die Erinnerung. Du erzählst davon, du denkst daran zurück, es wärmt dich noch Jahre später. Manchmal wird ein Erlebnis in der Erinnerung sogar schöner, als es im Moment war. Der Wert war vorne kleiner und wächst mit der Zeit.

Das ist die P&L-Pointe: Bei einem Ding zahlst du oft das Gefühl im Laden und hast dann den stillen Gebrauch zu Hause. Bei einem Erlebnis liegt der eigentliche Ertrag gar nicht im Moment des Bezahlens, sondern in allem, was danach kommt. Die Ertragskurve läuft in die andere Richtung.

Warum ein Erlebnis oft mehr zurückgibt

Dazu kommt etwas, das ein Ding selten leistet: Ein Erlebnis verbindet dich mit Menschen und verändert dich ein kleines Stück. Ein gemeinsamer Tag, eine Reise, ein Konzert – das teilst du mit jemandem, und genau dieses Geteilte lebt in der gemeinsamen Erinnerung weiter. Ein Ding besitzt man meist allein. Ein Erlebnis trägt man zu zweit oder in einer ganzen Runde weiter. Das ist ein Teil des anderen ROI, den keine Zahl auf dem Kassenzettel erfasst.

Ich merke das an mir selbst: An viele Dinge, die ich vor Jahren gekauft habe, erinnere ich mich kaum noch. An bestimmte Erlebnisse aus derselben Zeit dagegen sehr lebhaft – und sie geben mir bis heute etwas.

Wann das Ding trotzdem gewinnt

Damit das keine Predigt wird: Es geht nicht darum, nie wieder etwas zu kaufen. Manche Dinge haben einen hervorragenden ROI – gerade die, die du täglich nutzt und lange behältst. Der gute Mantel, über den ich neulich geschrieben habe, ist so ein Fall: ein Ding, dessen Wert sich über unzählige Male Tragen entfaltet, nicht im Moment des Kaufs. Ein Ding, das dich jeden Tag begleitet, kann genauso viel zurückgeben wie eine schöne Erinnerung.

Und umgekehrt ist nicht jedes Erlebnis automatisch ein gutes Investment. Die teure Reise, die vor allem gut aussehen sollte und dich in Wahrheit gestresst hat, gibt später wenig zurück. Die Unterscheidung ist also nicht schlicht „Erlebnis gut, Ding schlecht". Die ehrliche Frage ist dieselbe wie bei jedem P&L: Was gibt mir auch in einem Jahr noch etwas? Manchmal ist das ein gut gewähltes Ding. Sehr oft ist es eine Erinnerung.

Was ich mitnehme

Wenn die Stimme das nächste Mal sagt „nimm lieber das Ding, dann hast du wenigstens etwas", darfst du ihr freundlich widersprechen. Das Ding wird zu Hause oft schneller still, als du denkst. Und die Erinnerung hält häufig länger, als du ihr zutraust.

Frag dich vor der nächsten größeren Ausgabe nicht nur „Was habe ich danach?", sondern „Was gibt mir das in einem Jahr noch?". Diese eine Frage verschiebt erstaunlich viel – und sie führt dich zuverlässiger zu dem, was sich wirklich lohnt.

Solche Rechnungen – ohne Guilt und ohne erfundene Zahlen – teile ich auch im BlogWoman Brief.

Nächste Woche in dieser Serie: Guter Schlaf als Investment: Wenn Matratze und Bettzeug sich rechnen. Warum das, was du jede Nacht nutzt, zu den lohnendsten Ausgaben überhaupt gehört – und worauf es dabei ankommt.

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